Für welche Rohstoffe ist die Versorgung kritisch?

Was heißt kritisch?

Als kritisch gilt ein Rohstoff dann, wenn seine Versorgung ein hohes Risiko birgt. Zumeist ist die Bewertung für eine Region bzw. ein Land zutreffend. Das liegt einerseits in der wirtschaftlichen Struktur und damit Bedarfen an Rohstoffen begründet, andererseits an den regionalen Aktivitäten der Rohstoffgewinnung. Die Abhängigkeit von Importen unterscheidet sich damit stark je nach Rohstoff. Risiken der Versorgung können sein, dass es nur wenige Länder -oder auch Unternehmen- gibt, in denen diese abgebaut werden. Liegt in diesen Ländern noch politische Instabilität vor, dann erhöht sich das Risiko. Risikoreich ist es also immer, wenn die Versorgung in kurzer Zeit nicht mehr gewährleistet werden kann, der Rohstoff aber benötigt wird.

Dass innerhalb kurzer Zeit auch die Versorgung mit einzelnen Rohstoffen kritisch wird, obwohl es auf keine der vorgestellten Listen verzeichnet ist, zeigt sich im Jahr 2022. Das Risiko für den Energierohstoff Erdgas wird aber durch den Ukrainekrieg zu einem knappen und teuren Gut. Der Importanteil betrug im Jahr 2020 zu 55 Prozent aus der Russischen Föderation, zu rund 31 Prozent aus Norwegen und 12,7 Prozent aus den Niederlanden [1].

Kritische Rohstoffe in der Europäischen Union

Die  Europäische Kommission untersucht seit 2011 alle drei Jahre, die Versorgungslage für ausgewählte Rohstoffe. "Wirtschaftliche Bedeutung" und "Versorgungsrisiko" sind die wichtigsten Merkmale. Für die wirtschaftliche Bedeutung werden der aktuelle Stand und die voraussichtliche Entwicklung von industriellen Bedarfen anhand von Endprodukten analysiert. Die Anzahl der Lieferländer bzw. Lieferung innerhalb der Europäischen Union und damit wie importabhängig und welche Handelsbeschränkungen in Drittländern zu erwarten sind, bestimmen die Höhe des Risikos. Aber auch Umweltaspekte, der Beitrag des Recyclings und die Möglichkeiten, den Rohstoff zu ersetzen (Substitution) werden mit in die Bewertung einbezogen. Genutzt werden die Ergebnisse für die Gestaltung hinsichtlich der Rohstoffpolitik und -förderung. 

Die für die EU-27 kritischen Rohstoffe liegen im roten Bereich und haben in ihrer Anzahl zugenommen. Derzeit sind 30 Rohstoffe als kritisch eingestuft.

Bild: eigene Darstellung von Faszination Rohstoffe nach Daten [2],[3]

Kritische Rohstoffe in Deutschland - Bewertungsansatz

Die Deutsche Rohstoffagentur (DERA) der Bundesanstalt für Geowissenschaften Rohstoffe prüft regelmäßig, welche Rohstoffe für Deutschland kritisch sind. Insgesamt 62 Rohstoffe sowie 217 sogenannte Handelsprodukte werden anhand von Merkmalen bewertet, ob es zu wenige Lieferländer gibt und welches Lieferrisiko vorhanden ist [4]. Beispiele für Lieferrisiken sind Politische Stabilität, Korruption und demokratische Rechte wie Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit. 

Handelsprodukte sind die Verbindungen, die wie der Name besagt, gehandelt werden, zumeist gut transportfähig sind und in der weiteren industriellen Weiterverarbeitung eingesetzt werden können. Während für Kokskohle nur die Bergwerksproduktion bewertet wird, werden für das Seltene-Erd-Element Niob die Bergwerksförderung, die Produktion von Ferroniobproduktion und das Handelsprodukt Ferroniob beurteilt. Rohstoffe werden also nicht per se bewertet, sondern in welcher Form sie benötigt werden.

Welche Rohstoffe sind für Deutschland kritisch?

Insgesamt wurde für 133 der 297 der untersuchten Rohstoffe und deren Handelsprodukte ein erhöhtes potentielles Beschaffungsrisiko festgestellt. In der höchsten von drei Risikogruppen liegen 40 Prozent der Bergwerksprodukte und 42 Prozent der Handelsprodukte. Dazu zählen, um nur wenige dieser Beispiels aufzuzählen, Chromit, Kobalt, Niob, Wolfram, Fluorit oder Kokskohle. 

Kritische Rohstoffe für Deutschland in 2021, 

Bild: eigene Darstellung von Faszination Rohstoffe nach Daten der DERA [4]

Drei Beispiele für die Einschätzung der Kritikalität:
  • Kobalt wurde in der aktuellen Liste als Rohstoff mit dem höchsten Risiko eingeschätzt: Allerdings wird es vor allem in der DR Kongo gefördert und in die ersten Zwischenprodukte überführt. Soziale Unruhen und der Kleinbergbau führen zu einem hohen Beschaffungsrisiko. Andererseits ist es für die E-Mobilität extrem wichtig, da es Kobalt ein Basisrohstoff für die Lithium-Ionen-Akkumulatoren ist.
  • - Deutschland hat einen weltweiten Importanteil von 14 Prozent auf Magnesium. In China erfolgt zu 99 Prozent die größte Produktion von Magnesium in seiner Reinform. China hat für die meisten der untersuchten Rohstoffe und deren Zwischenprodukte die marktbeherrschende Stellung.
  • Weitere Beispiele für Lieferländer mit hohen Anteilen sind  die Türkei für Borminerale  Südafrika für einige Chromprodukte und Platin oder Indien für Glimmer.
Quellen mit Links zu den Studien im Detail

[1]  bp Statistical Review of World Energy 2021

[2]  European Commission, Study on the EU’s list of Critical Raw Materials (2020), Factsheets on Non-critical Raw Materials, URL: https://rmis.jrc.ec.europa.eu/uploads/CRM_2020_Factsheets_non-critical_Final.pdf, Zugriff: 01.07.2022

[3] European Commission, Study on the EU’s list of Critical Raw Materials (2020), Factsheets on Critical Raw Materials, URL: https://rmis.jrc.ec.europa.eu/uploads/CRM_2020_Factsheets_critical_Final.pdf, Zugriff: 01.07.2022

[4] DERA - Deutsche Rohstoffagentur in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (2021): DERA-Rohstoffliste 2021. DERA Rohstoffinformationen 49: 108 S., Berlin. URL: https://www.deutsche-rohstoffagentur.de/DE/Gemeinsames/Produkte/Downloads/DERA_Rohstoffinformationen/rohstoffinformationen-49.pdf?__blob=publicationFile, Zugriff: 01.07.2022

Weitere Empfehlungen:

EU Science HUB "Raw Materials Information System (RMIS), https://rmis.jrc.ec.europa.eu/?page=factsheets-2020-dfe63e (in englisch)

Letzte Änderung
23.07.2022