Förderung in Deutschland und weltweit

In Deutschland gibt es aktuell zwei aktive Bergwerke, in denen Rohspat mit unterschiedlichen Mengenanteilen Schwer- und Flussspat gefördert wird. Das sind die Grube "Clara" im Schwarzwald, in der im Jahr 2014 35.270 t [1] gewonnen und die Grube Niederschlag im Erzgebirge. In letzterer wurden im Jahr 2015 98.500 t Rohspat [2] gefördert. Im Vergleich zur weltweiten Fördermenge von rund 263 Millionen Tonnen (2013), ist damit nur ein kleiner Anteil abgedeckt. Bezogen auf die Minerale wurden im Jahr 2015 6,5 Millionen Tonnen Flussspat ud 9,7 Millionen Tonnen Schwerspat gewonnen [4]. Hauptförderländer für Flussspat sind am Beispiel des Jahres 2015 China mit rund 60%, Mexiko mit rund 17% und die Mongolei mit rund 6% [3].

In der Grube Clara wird aus aktuell 850 m Tiefe zusätzlich zu den Spaten Fahlerz gefördert, ein Mineral mit hohen Silber- und Kupfergehalten. Bei der Sachtleben Bergbau GmbH sind derzeit 105 Mitarbeiter mit der Förderung und Aufbereitung der Erze beschäftigt.
Im Jahre 2013 wurde mit der Grube Niederschlag zum ersten Mal seit 1990 der Erzabbau im Erzgebirge wieder eröffnet. In dem Bergwerk bei Oberwiesenthal nahe der tschechischen Grenze wird heute hauptsächlich Flussspat und geringe Mengen Schwerspat gewonnen.
 
Abbau

Der Abbau erfolgt in beiden Gruben "Clara" und "Niederschlag" durch sprengende Verfahren. Im Wechsel wird dabei an fünf Tagen der Woche mit elektrohydraulisch betriebenen Bohrwagen gebohrt, anschließend gesprengt und und das verbliebene Gestein herausgefräst. Um herabstürzendes Felsmaterial zu verhindern, erfolgt der Ausbau der unterirdischen Strecken mit Stahlmatten, Gebirgsankern und Spritzbeton. 
Die Mächtigkeit der Gänge variiert oft stark. In der Grube Niederschlag betragen sie im Durchschnitt 3 bis 3,5 m bei einigen hundert Meter Länge, schwanken aber über kurze Entfernungen von wenigen Dezimetern bis zu 10 m stark. 
Als Besonderheit wird in der Grube Niederschlag bereits untertage das Roherz auf Bandanlagen mittels Röntgenfluoreszenz und Luftstrahlaussonderung vorsortiert. Der Abtransport erfolgt in beiden Gruben mit dieselbetriebenen Lastwagen und Grubenkippern über ein System von spiralförmigen Wendelstrecken. In der Grube Clara, wo der Abbau gegenwärtig in über 850 Meter Tiefe stattfindet, sind bereits über 30 km Strecke aufgefahren. 
 
Aufbereitung

Die in Deutschland abgebauten Lagerstätten enthalten stark schwankende Gehalte an Fluorit und Baryt. Deshalb werden diese Minerale mit komplexen Verfahren voneinander getrennt und weiter angereichert.
In einer ersten Stufe werden die Roherze gebrochen, gesiebt, gewaschen und dann anhand ihrer unterschiedlichen Dichte getrennt. Ein Teil des so produzierten Schwerspatkonzentrats kann nun bereits mit einer Reinheit von bis zu 90% als Betonzuschlag verkauft werden. Das restliche Schwerspatkonzentrat sowie das gesamte Flussspat werden nach der Dichtetrennung in Nassmühlen auf Korngrößen kleiner 0,2 mm aufgemahlen. Je nach Verwendungszweck wird das Konzentrat in einer mehrstufigen Flotation weiter angereichert und gereinigt.
Für Fluorit gibt es mehrere handelsübliche Qualitäten, auf die sich die Bergbaufirmen mit ihren Aufbereitungsanlagen einstellen müssen. Am begehrtesten ist Säurespat mit einer Reinheit von mehr als 97%, der zur Gewinnung von Flusssäure und weiteren Fluorverbindungen verwendet wird.
Hüttenspat als Flussmittel für die Stahlherstellung und Glas- und Keramikspat sind 80 – 96% Fluoritgehalt ausreichend. Besonders für die Glasherstellung muss der Flussspat farblos sein, um das Endprodukt nicht farblich zu beeinflussen. Auch weitere wichtige Kriterien wie Gehalte an anderen Elementen wie Eisen oder die Korngrößen spielen eine wichtige Rolle.
Auch für Schwerspat gibt es verschiedene Handelsqualitäten, die sich in ihrem Reinheitsgrad, der Körnung, Dichte und Färbung deutlich voneinander unterscheiden. Am weitesten verbreitet ist Bohrspat, der je nach Länderstandard aus mindestens 92 bis 94% Schwerspat bestehen muss. So wird eine ausreichende Dichte des Bohrkonzentrats gewährleistet. Für Chemiespat gibt es strengere Anforderungen. Gewöhnlich besteht er aus flotiertem Schwerspat mit 94 bis 97% Barytgehalt mit nur geringen Verunreinigungen durch Schwermetalle.

Quellen

[1] BGR (2015). Rohstoffsituation Deutschland 2014. Abgerufen unter https://www.bgr.bund.de/DE/Themen/Min_rohstoffe/Downloads/Rohsit-2014.pdf?__blob=publicationFile&v=3 [10.09.2018]
[2] Sächsisches Oberbergamt (2016) Der Bergbau in Sachsen. Bericht des Sächs. Oberbergamtes und des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie für das Jahr 2015. Abgerufen unter http://www.oba.sachsen.de/download/2016_11_09_JB2015_Druckfassung.pdf [10.09.2018].
[3] DERA (2016) Rohstoffliste 2016, Angebotskonzentration bei mineralischen Rohstoffen und Zwischenprodukten – potentielle Preis- und Lieferrisiken
[4] BGR – Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (2017). Späte - Fluss- und Schwerspat in Deutschland.  Hannover, 76S.
Bildquelle Titelbild: eigenes Bild


Letzte Änderung:
26.06.2019
Verwandte Artikel
  • Entstehung und Vorkommen Fluß- und Schwerspat: Entstehung und Vorkommen

    Einer kommt selten allein - Die Minerale Flussspat und Schwerspat sind zusammen mit Kalzit und Quarz die häufigsten Gangarten in hydrothermalen Gängen und treten nicht selten zusammen auf.

    Artikel lesen
  • Abbau bis Recycling Bergbau in Sachsen

    Sachsen ist nicht nur historisch gesehen eine Bergbauregion. Derzeit werden verschiedene Rohstoffe bergbaulich gewonnen und es werden viele Erkundungen vorgenommen.

    Artikel lesen
  • Verwendung im Alltag Titan in der Zahnpasta

    Titanoxide werden für die weiße Färbung von Kaugummis, Sonnencreme eingesetzt und ist als Titanweiß ein wichtiges Pigment in der Malerei.

    Artikel lesen
  • Entstehung und Vorkommen Sachsen - Geologische Bausteine

    Der Freistaat Sachsen hat seit Jahrhunderten in Rohstofffragen eine herausragende Stellung in der Welt. Vom sächsischen Bergbau, der Verhüttung und Veredlung sind seit Jahrhunderten wichtige Impulse für die Entwicklung der Rohstoffwirtschaft weltweit ausgegangen, in jüngster Zeit auch von der flächendeckenden Sanierung des Wismut-, Erz/Spat- und Braunkohlenbergbaus.

    Artikel lesen